⚽ Glück Auf, Kumpel, Knabenbach! – Helmuts Kindheit in Buer 🏊

 

⚽ Glück Auf, Kumpel, Knabenbach! – Helmuts Kindheit in Buer 🏊

Mein Name ist Helmut. Geboren und aufgewachsen in Buer-Resser Mark. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich unseren Hinterhof, den rauchenden Schlot der Zeche Graf Bismark in Erle und höre das Lachen meiner Freunde. Wir waren Pottkinder, und es war die Mitte der Sechzigerjahre.


Wir waren eine unschlagbare Bande. Da waren Wölfi, Manfred und Peter, immer bereit für Ärger. Und da waren Thomas und Antonio, unsere spanischen Freunde. Ihre Väter waren als Gastarbeiter hierhergekommen, um unter Tage oder in der Fabrik zu malochen, die Zukunft unserer Familien mit harter Arbeit zu sichern. Die Sprache war  keine Hürde, aber auf dem Ascheplatz oder im Hinterhof brauchten wir keine Worte.


Wir kickten, bis die Knie blutig waren. Tomas war unglaublich schnell, Antonio ein ehrlicher Kämpfer. Der Fußball verband uns, egal ob wir laut auf Deutsch oder mit spanischem Temperament ins Tor jubelten.


🎣 Das Königreich am Knabenbach

Unser wahres Revier lag abseits der Zechensiedlung: der Knabenbach. Er war der Puls unserer Abenteuer.

Dort, wo der kleine Bachlauf in den Wald führte, lagen noch die Zeugen einer dunkleren Zeit: alte, mit Wasser gefüllte Bombenlöcher. Das war unser Biotop. Mit einem alten Draht und einem Glas hielten wir dort Hof. Stichlinge und die schleimigen, faszinierenden Molche waren unsere Beute, die wir stundenlang in Eimern beobachteten, bevor wir sie wieder in die Freiheit entließen. Der Knabenbach roch nach feuchter Erde, Abenteuer und Freiheit – ein krasser Gegensatz zum ständigen Geruch von Kohle und Ruß in der Siedlung.in angrenzenden Wäldchen wurde dann fleißig auf Bäume geklettert Wölfi war darin unschlagbar .

Wenn wir uns von der Molch-Jagd erholten, spielten wir Pinschen. Wir hockten uns heimlich auf den Hof und warfen Groschen und 5-Pfennig-Stücke gegen die Hauswand. Wer am nächsten dran lag, kassierte. Ein kleiner Haufen Fünfer in der Hosentasche fühlte sich an wie das große Los.



Freibad oder Frachtschiff?

Wenn die Sommerferien kamen, war das Freibad Grimberg unser großes Ziel. Wir sammelten fleißig Papier  im Freibad nach Feierabend für die Freikarten.

Aber wenn es mal nicht mit der Karte funktionierte oder wir einfach genug vom Chlor hatten, gab es Plan B: Wir wichen auf den angrenzenden Rhein-Herne-Kanal aus.


Der Kanal war kalt, schmutzig und eigentlich verboten. Aber wir waren unerschrocken. Das große Spiel war das "Schlepper-Schwimmen". Sobald ein Kohleschlepper vorbeifuhr, tauchten wir ins Wasser und schwammen mit voller Kraft neben ihm her. Das Ziel? Bis zur nächsten Schleuse mitzufahren! Das war Nervenkitzel pur, die riesigen Rümpfe der Frachter, die gemächlich an uns vorbeizogen.

Dort angekommen, gab es oft ein Problem: Es dauerte viel zu lange, bis der nächste Schlepper in die Gegenrichtung fuhr. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den ganzen Weg in Badehose zurückzulaufen, die nassen Badehosen an uns klebend, vorbei an Spaziergängern und Anglern, die uns nur mitleidig belächelten.

Das war unsere Kindheit. Zwischen dem Kohlenstaub, den Molchen im Knabenbach und der heimlichen, kühnen Reise auf dem Rhein-Herne-Kanal. Eine Zeit, in der Freundschaft alles und der Mut unsere einzige Währung war.

Glück Auf!

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