CW: Der Code, der mich (fast) in den Wahnsinn trieb – und wie ich ihn doch liebte

 

CW: Der Code, der mich (fast) in den Wahnsinn trieb – und wie ich ihn doch liebte

Hallo liebe Funkfreunde, Wander-Enthusiasten und alle, die hier zufällig über einen Haufen Wanderstiefel und eine winzige Morsetaste gestolpert sind!

Heute tauchen wir tief in das Herzstück meiner Portabel-Aktivitäten ein: CW, die Telegrafie, das Morsen.

Lasst mich euch eine Geschichte erzählen, die ihr vielleicht kennt: die der "CW-Wand".


Als ich mit dem Amateurfunk begann, schien CW so etwas wie ein geheimer Elite-Club zu sein. Man stellte sich vor, altehrwürdige Funker säßen mit Zigarre und Monokel da und "hörten mit", während man selbst noch mühsam "Dah-Dit-Dah" und "Dit-Dit-Dit" im Kopf zusammensetzen musste. Es klang alles nach magischer, unbezwingbarer Geschwindigkeit.

Phase 1: Der Start und die Kakofonie der Töne

 


 

Zuerst war die Begeisterung riesig! Ich meldete mich bei LCWO (Learning CW Online) an und lud mir die Apps herunter. Die ersten Zeichen kamen schnell: E, I, S, H. Kinderkram! Ich war ein Genie! Dann kamen die fiesen Buchstaben wie V, B, und X. Mein Gehirn begann, sich wie ein schlecht sortiertes Lagerhaus anzufühlen, in dem ein verrückter Lagerarbeiter pausenlos "Dits" und "Dahs" auf den Boden warf.

Die wichtigste Erkenntnis? Hört auf, Striche und Punkte zu zählen! CW ist keine Mathematik, es ist Musik. Jedes Zeichen hat seine eigene Melodie:

  • Ein K ist ein stolzer, knapper Marsch: Dah-Dit-Dah.

  • Ein R ist entspannt und freundlich: Dit-Dah-Dit.

Hört die Melodie, nicht die einzelnen Noten.

Phase 2: Der Berg auf der Lernkurve (und der Frust)

Dann kam die befürchtete Wand. Bei etwa 10 Wörtern pro Minute (WPM) schien mein Fortschritt auf null zu schalten. Ich konnte die einzelnen Zeichen hören, aber nicht schnell genug schreiben. Es war, als würde man einen Satz hören, den man in einer Fremdsprache übersetzen muss, aber bei jedem Wort kurz im Wörterbuch nachschlagen muss.

Ich war frustriert. Ich habe die Taste in die Ecke geworfen. Ich dachte: "Ist doch egal, ich funke einfach in SSB!"

Doch dann kam der Gedanke an meine Wanderungen. SSB-Geräte sind schwer, brauchen mehr Strom. CW-Geräte sind winzig, leicht und effizient. Wenn ich von einem Berggipfel funken wollte, war CW der einzige Weg, meine Ausrüstung bergtauglich zu halten. Die Motivation war das Ziel: QRP-Power vom Gipfel!

Die Wende: Kontinuität und "Morse Runner"

Ich nahm meine Lektionen wieder auf, aber mit einem neuen Mantra: Kontinuität schlägt Intensität. Lieber jeden Tag 15 Minuten, als einmal pro Woche zwei Stunden.

Und dann entdeckte ich den in der Community so beliebten Morse Runner. Das ist im Grunde ein CW-Contest-Simulator, der dich zwingt, Rufzeichen und Rapporte schnell und unter leichtem Stress zu erfassen. Plötzlich war das Lernen ein Spiel. Man wird gezwungen, das Gehirn zu trainieren, die "Melodie" eines Rufzeichens oder eines 5NN-Rapports (599) als Ganzes zu erkennen.

Die Belohnung: Magie auf dem Berg

Eines Tages, hoch oben auf einem Wandergipfel (mit einem herrlichen Blick über das Tal), war es so weit. Meine QRP-Station war aufgebaut. Ich drückte die Taste.

  • "CQ CQ DE DL2HS K"

Und da war es: Ein Rufzeichen kam zurück, glasklar, mit perfektem Tempo. Ich hörte nicht mehr einzelne Punkte und Striche. Ich hörte: "Guten Tag, ich bin OE... und du bist 599!" Es war wie ein neues Sinnesorgan, das sich öffnete.

Die Magie von CW ist die Verbindung. Mit minimaler Energie, über Tausende von Kilometern, ein Gespräch führen, das man nur mit einem Code versteht. Es ist die Essenz des Funks, reduziert auf das Nötigste. Und es ist das perfekte Hobby für uns Wanderer, weil es die Ausrüstung leicht hält und die Verbindung tief macht.

Mein Aufruf an euch:

Wenn ihr vor der CW-Wand steht oder gerade erst anfangt:

  1. Hört die Musik: Hört die Klangbilder, nicht die Punkte und Striche.

  2. Seid stetig: 15 Minuten täglich sind besser als alles andere.

  3. Macht es spielerisch: LCWO, Apps, und besonders Morse Runner sind fantastische Werkzeuge.

  4. Habt ein Ziel: Mein Ziel war der QRP-Betrieb auf dem Berg. Findet eures!

Es ist eine Herausforderung, ja. Aber die Belohnung – ein leises, intimes QSO von einem windigen Gipfel – ist jeden "Dit" und jedes "Dah" wert.

73 und wir hören uns auf den Bändern! (Am besten in CW 😉)

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