Mein erstes 'Dit-Dah' – Als das Morsen zur Leidenschaft wurde (2005)
Erinnert ihr euch noch an 2005? Die Welt der Funkamateure war im Wandel, die Morsetelegrafie (CW) nicht mehr zwingend für die Lizenzprüfung erforderlich, aber für mich begann genau dann ein aufregendes Abenteuer: Meine ersten Versuche im Morsen!
Mein Lehrmeister war damals DL2KR Karl(SK), und er hatte eine Methode, die perfekt in meinen Alltag passte. Kein staubiges Lehrbuch, sondern moderne Technik: Ein MP3-Stick, vollgepackt mit Lektionen! Der treueste Zuhörer bei meinen ersten „Dit-Dah“-Klängen war mein Hund. Bei jedem Spaziergang, ob bei Sonnenschein oder Regen, pumpte ich mir die Lektionen ins Ohr. Das Gehirn wurde auf Morse-Rhythmus getrimmt – die Buchstaben sollten als Klangbild, nicht als zählbare Punkte und Striche, verinnerlicht werden.
Das Training wurde bald hands-on. Meine erste Morsetaste war eine Junkertaste, und kurz darauf kam ein Kent-Paddle dazu. Übung, Übung, Übung! Das Fühlen des richtigen Moments, das Setzen der Punkte und Striche, der Rhythmus – es ist wie Klavierspielen, nur mit einem einzigen Ton.
Nach den endlosen Übungsrunden war es so weit: Der erste Schritt auf die Frequenz. Wir verabredeten uns für eine Übungsrunde auf 144,070 kHz im 2-Meter-Band (VHF). Die Finger zitterten auf dem Paddle, der Kopf glühte. Es war nur eine kurze, einfache Runde, aber das Gefühl, die gelernten Zeichen live zu senden und zu empfangen, war unbeschreiblich.
Doch die wahre Feuertaufe stand noch bevor: Das erste QSO auf Kurzwelle (KW)!
Ich setzte mich hin, stimmte das Gerät ab und fand eine freie Frequenz. Die Hand schweißnass, das Herz hämmerte gegen die Rippen. Ich rief, mit stockenden, unsicheren Zeichen, ein CQ. Und dann, die Antwort!
Ich zitterte wie Espenlaub, versuchte, die Zeichen zu entziffern, die aus dem Lautsprecher sprudelten. Schweiß brach aus. Ich antwortete, meine Finger verkrampften sich fast. Es war ein Kampf, meine mühsam gelernten Rhythmen fehlerfrei aufs Band zu bringen und gleichzeitig das vom Gegenüber Gesendete zu kopieren.
Ich bin mir sicher, meine Zeichen klangen, als hätte ein betrunkener Specht auf ein Holzbrett gehämmert, und meine Dekodier-Geschwindigkeit war lächerlich langsam. Aber wisst ihr was? Es hat geklappt!
Mein Gegenüber war ein absoluter Funkamateur-Engel. Er sandte unglaublich langsam, wiederholte geduldig und ließ mir alle Zeit der Welt, meine Antwort zusammenzustoppeln. In diesem Moment habe ich verstanden, warum die CW-Gemeinschaft so besonders ist: Es ist ein Club der Geduld und des Verständnisses.
Als ich nach diesem fast-schweißgebadeten QSO das Mikrofon ablegte, war ich völlig fertig, aber unendlich stolz. Es war der Beweis: Das jahrelange Lernen, die Spaziergänge mit dem Hund und dem MP3-Stick, die Übungsrunden mit DL2KR – all das hatte sich gelohnt.
Der erste Funken ist übergesprungen. Und das Morsen ist bis heute eine meiner liebsten Betriebsarten geblieben. Ein großes 73 an alle, die damals wie heute Anfänger unterstützen!
CU on Air 73 de DL2HS Helmut CWFE!!

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