🚴📻 Zwischen Funkwellen und Fahrradketten: Mein QRP-CW-Abenteuer im Ruhrpott
🍂 Ein Ruhrpott-Morgen auf Tour
Wenn ich morgens das Garagentor öffne, weht mir der Geruch von feuchtem Asphalt, Schmieröl und kalter Herbstluft entgegen – ein echter Ruhrpott-Morgen. Das Fahrrad steht startklar da, die kleine Funkstation, mein TRuSDX, sicher in der Lenkertasche verstaut. Daneben liegt meine treue mobile CW-Taste, mit der ich schon viele schöne CW-Verbindungen gefahren habe. Ich – Helmut, DL2HS – bin wieder auf Tour.
Heute soll es entlang des Hassler Mühlenbachs gehen, über die Lippeauen bis hin zum Schloss Lüttinghoff 🏰. Die Luft ist klar, das Thermometer zeigt knapp , und ein kräftiger Wind zerrt an den Ästen der Bäume. Kein Sonnenschein, aber das bunte Farbenspiel der Blätter macht die Stimmung dennoch warm: Gelb, Rot und Orange leuchten gegen den grauen Himmel an 🍁.
Schon nach wenigen Kilometern finde ich einen schönen Platz zwischen Feldern und einer kleinen Baumgruppe. Hier ist es einigermaßen windgeschützt. Ich lehne das Rad an den Zaun, hole den TRuSDX hervor und rolle die Antenne aus – ein kurzer Draht, über einen Ast geworfen, gespeist über einen kleinen Tuner. QRP pur.
Ein tiefer Atemzug, dann klicke ich langsam die ersten Zeichen:
CQ CQ CQ DE DL2HS/P DL2HS/P K
Ein vertrautes Gefühl. Das Klicken der Taste, das Rauschen im Empfänger, und irgendwo draußen sitzt jemand, der die Punkte und Striche versteht. Nach kurzer Zeit meldet sich eine Station aus Bayern 🇩🇪 – ein klarer CW-Ton, im Ohr. Wir tauschen Rapporte, Namen und QTH.
Nach zwei weiteren QSOs packe ich alles wieder ein. Alles hat seinen Platz, nichts wackelt, nichts stört die Fahrt. Ich trete in die Pedale, der Wind pfeift, und die Gedanken schweifen. Der Weg führt über ruhige Wirtschaftswege, vorbei an alten Kopfweiden und Wassergräben. Ab und zu ein Spaziergänger, ein kurzer Gruß – sonst nur Stille und das Knistern der Blätter unter den Reifen.
Am Schloss Lüttinghoff halte ich kurz an. Das alte Gemäuer spiegelt sich im Wassergraben, eine Szene wie aus einer anderen Zeit. Ich setze mich auf die Bank und denke an die alten Tage im Bergbau – über drei Jahrzehnte unter Tage. Damals war Technik harte Arbeit. Heute ist sie Leidenschaft. Der TRuSDX erinnert mich daran, wie viel man mit wenig Leistung erreichen kann – mit Geduld, Präzision und einem Hauch Abenteuerlust.
⚙️ Mein mobiles QRP-Setup: Leicht, robust, einsatzbereit
Ein gutes Setup ist bei jeder Tour die halbe Miete – besonders, wenn man mit QRP-Leistung unterwegs ist. Hier zeige ich, wie ich meine kleine Funkstation auf dem Fahrrad transportiere und betreibe. Alles ist leicht, robust und in wenigen Minuten einsatzbereit – ideal für den portablen Betrieb im Ruhrgebiet.
Die Komponenten
📻 TRuSDX: Das Herzstück meiner Ausrüstung. Er liefert rund Ausgangsleistung.
📡 Frequenzen (CW): (20m) und (40m) – die klassischen QRP-Frequenzen.
🔌 Antenne: Ein langer Draht, der über einen Ast oder ein Geländer geworfen wird.
🛠️ Anpassung: Ein -Unun und mein mobiler ATU-100 ext-Tuner.
🔋 Stromversorgung: Drei 18650-Zellen () in Serie für ca. 2–3 Stunden Betriebszeit.
🖐️ Taste: Mobile CW-Taste aus Aluminium, befestigt mit Klettband am Oberschenkel.
Der Aufbau dauert keine fünf Minuten: Fahrrad abstellen, Draht auswerfen, Tuner verbinden, TRuSDX einschalten – und schon bin ich on air.
🌳 Den besten Funkplatz unterwegs finden
Als Funkamateur auf dem Rad lerne ich schnell: Der ideale Funkplatz ist entscheidend 🧐. Ein paar Meter weiter, eine andere Windrichtung oder ein Strommast in der Nähe – all das kann den Unterschied machen.
Der richtige Standort
Zuerst schaue ich immer nach einem ruhigen, offenen Platz – idealerweise etwas erhöht. Ein kleiner Hügel, eine Böschung oder eine Brücke können das Signal spürbar verbessern. Freie Sicht zum Himmel bedeutet weniger Abschattung und damit bessere Ausbreitung.
Im Ruhrpott gibt es viele alte Bahntrassen, Feldwege oder Aussichtspunkte, die sich perfekt eignen.
Störungen vermeiden 🚫
HF-Störungen sind im Ruhrgebiet keine Seltenheit. Ich halte mindestens Abstand zu Gebäuden, Laternen oder Stromleitungen, wann immer es geht. Auf Feldern oder an Gewässern ist der Empfang fast immer ruhiger.
Ein guter Indikator: Wenn im Kopfhörer nur leichtes atmosphärisches Rauschen zu hören ist, weiß ich – hier bleibe ich.
Sicherheit und Ruhe 🧘
Ich meide stark frequentierte Radwege oder Spielplätze – lieber ein paar Meter weiter in die Natur. Das hat den Vorteil der völligen Ruhe beim Hören schwacher CW-Signale. Oft sitze ich einfach auf einer Bank und genieße diesen Moment völliger Konzentration – ein schöner Kontrast zum hektischen Alltag.
⛰️ Halden-Funk: Die Angelruten-Antenne als flexible Lösung
Die Halden des Ruhrgebiets sind für mich perfekte Standorte für portable Funkaktivitäten. Mein Lieblings-Setup für diese Touren ist mittlerweile die -Meter-Angelrute mit Erdspieß als flexible CW-Antenne 🎣. Sie ist leicht, stabil und lässt sich praktisch überall einsetzen.
Himmelsblicke auf der Halde Hoheward 🔭
Auf der Halde Hoheward bei Herten kommt die Angelrute zum Einsatz: Ich stecke den Erdspieß fest in den Boden, die Rute ist aufgerichtet und der Draht daran befestigt. Durch den -Unun und den ATU-100 ext ist die Anpassung innerhalb von Sekunden erledigt. Ob europäische Stationen oder ein weit entfernter DX-Partner – QRP ist leise, aber effizient.
Rungenberg – Die Pyramide des Nordens 🌅
Auch auf der Halde Rungenberg in Gelsenkirchen bietet die Angelruten-Antenne stabilen Betrieb für CW QRP. Der Sonnenuntergang färbt die Industrieanlagen weit unten orange – Funkbetrieb und Ruhrpottromantik in perfekter Kombination.
Ich liebe diesen Moment, in dem Technik und Natur miteinander verschmelzen. Der Wind pfeift, das TRuSDX summt leise, und die Aussicht über den Revierhorizont macht jedes QSO besonders.
🌟 Meine Highlights: QSOs auf den Halden
Jede Halden-Aktivierung hat ihre eigene Geschichte. Sie zeigen, dass QRP-CW trotz kleiner Leistung zuverlässig funktioniert.
Hoheward (14.060 MHz): An einem nebligen Herbstmorgen meldeten sich Stationen aus Italien 🇮🇹, England 🇬🇧, Bulgarien 🇧🇬 und Polen 🇵🇱. Jeder Rapport war sauber, RST bis .
Rungenberg (7.030 MHz): Am späten Nachmittag kamen QSOs aus Schweden 🇸🇪, Norwegen 🇳🇴 und Dänemark 🇩🇰. Besonders eindrucksvoll war die klare Verbindung nach Norwegen, trotz der nur Ausgangsleistung.
Diese Highlights erinnern mich daran, warum ich so gerne auf Rad- und Funktour gehe: Bewegung, Technik, Natur und der Ruhrpott von oben vereinen sich perfekt.
So klingt für mich Freiheit: ein Fahrrad 🚲, ein Funkgerät 📻 – und der Ruhrpott.

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