Neujahrsmorgen in Scholven: Zwischen Silvesterresten und Sturmböen

 


1. Januar, 9:00 Uhr - 5,4 km durch ein aufgewachtes Dorf

Um 9 Uhr morgens am Neujahrstag starte ich meine Wanderung durch Scholven. Die Welt ist längst wach, auch wenn viele noch in ihren Betten liegen und den Schlaf der letzten Nacht nachholen. Ich schnüre meine Wanderschuhe und mache mich auf den Weg durch das Dorf – gespannt, was mich an diesem ersten Morgen des Jahres erwartet.

Das Schlachtfeld der Silvesternacht

Kaum bin ich unterwegs, wird klar: Die Nacht hat ihre Spuren hinterlassen. Überall auf den Straßen liegen die Überbleibsel der Silvesterknallerei verstreut. Raketenreste in allen Farben, zerfetzte Böller, Plastikverpackungen und bunte Papierfetzen bedecken den Asphalt. An manchen Stellen ist der Gehweg regelrecht übersät mit den Hinterlassenschaften der Feuerwerkerei.

Besonders auffällig sind die schwarzen Brandflecken auf dem Straßenbelag – stumme Zeugen der nächtlichen Knallerei. Hier und da liegt noch eine nicht gezündete Rakete am Straßenrand, vergessen oder übersehen in der Aufregung der Nacht.


Wenn der Wind mit Tannenbäumen spielt

Doch nicht nur Silvesterreste prägen das Straßenbild. Die ersten Weihnachtsbäume sind bereits entsorgt worden, und der heftige Wind hat sich ihrer angenommen. Immer wieder sehe ich Tannen quer über den Straßen und Gehwegen liegen. Der starke Wind hat sie von ihren ursprünglichen Ablageplätzen weggeweht und mehr oder weniger weit über die Straßen hinweggefegt.

Ein besonders imposanter Baum liegt diagonal über dem Bürgersteig, die Nadelspur dahinter verrät seine Reise. Es ist fast schon komisch anzusehen, wie diese einst festlich geschmückten Bäume nun vom Wind als braune Gesellen durch die Gegend getrieben werden.

Drei Grad, die sich wie Minusgrade anfühlen

Das Thermometer zeigt drei Grad Celsius – eigentlich keine extreme Kälte. Aber der starke Wind macht den Unterschied. Er pfeift durch die Straßen, zerrt an der Kleidung und lässt die Temperatur deutlich kälter erscheinen. Die gefühlte Temperatur liegt weit unter den tatsächlichen drei Grad.

Ich ziehe meine Jacke enger um mich und bin froh über Mütze und Schal. An exponierten Stellen muss ich mich regelrecht gegen die Windböen stemmen. Die Augen tränen, und immer wieder werden mir Haare ins Gesicht geweht. Ein Tannenbaum rollt vor mir über die Straße – der Wind schiebt ihn mühelos voran.

Die morgendliche Stille

Trotz der frühen Stunde ist es erstaunlich ruhig. Die meisten Menschen schlafen noch ihren Silvesterrausch aus. Nur vereinzelt sehe ich jemanden mit dem Hund Gassi gehen oder ein Auto fährt vorbei. Die Stille wird nur vom Heulen des Windes und dem Rascheln der umherfliegenden Silvesterreste durchbrochen.

Die Route im Überblick

Nach einer Stunde und einer Minute habe ich die 5,4 Kilometer geschafft. 30 Meter Höhenunterschied bergauf, 30 Meter bergab – auf dem Papier klingt das nach einer gemütlichen Runde. Aber der Wind hat die Wanderung deutlich anstrengender gemacht. Jeder Schritt gegen die Böen war Arbeit.

Mein Fazit

Diese Neujahrswanderung durch Schölven war nicht die malerische Winteridylle, die man sich vielleicht erhofft hätte. Aber sie war authentisch. Sie zeigte das Dorf, wie es wirklich ist an diesem ersten Morgen des Jahres: voller Silvesterreste, mit umhergewehten Tannenbäumen, windgepeitscht und ehrlich.

Und genau das macht diesen Start ins neue Jahr besonders. Kein perfektes Postkartenmotiv, sondern die Realität – mit all ihren rauen Kanten und ihrer ungeschminkten Schönheit.

Zurück zu Hause, bei einer heißen Tasse Tee, spüre ich noch die Kälte in den Knochen. Aber ich bin zufrieden. Das Jahr 2026 hat begonnen – stürmisch, kalt und voller weggewehter Tannenbäume.

Willkommen im neuen Jahr

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